Sprachinitiative für Flüchtlinge

Integration15. Oktober 2015

Dringender Appell an die Landesregierung:

  • früher mit Sprachkursen zu beginnen
  • mehr Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen
  • mehr Finanzmittel im Haushaltsplan vorzusehen

WIESBADEN – Das Erlernen der deutschen Sprache sei die notwendige Basis für alle weiteren Integrationsschritte, erklärte René ROCK, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag:

„Wir verlieren aktuell deutlich zu viel wertvolle Zeit, wenn wir erst dann mit ersten Integrationsmaßnahmen beginnen, wenn die Asylverfahren abgeschlossen sind. Integration – und das beinhaltet zuerst und vor allem anderen das Erlernen unserer Sprache – muss zu dem Zeitpunkt beginnen, zu dem festgestellt wird, dass ein Flüchtling mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Bleiberechtsperspektive hat.“

Weiter erklärte Rock:

„Wir richten deshalb einen dringenden Appell an die Landesregierung, umgehend eine umfassende und unbürokratische Initiative zur Sprachvermittlung zu starten. Die Monate zwischen der Ankunft der Flüchtlinge und dem Ende des Asylverfahrens darf nicht ungenutzt verstreichen. Es ist eine wertvolle Zeit, in der der Grundstein für eine zügige und strukturierte Integration gelegt werden muss, die nicht zuletzt auch dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft dient.

Dazu gehört vor allem, Finanzmittel und Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen, aber auch das kritische Durchforsten bürokratischer Regelungen sowie die gezielte Förderung kreativer Lösungen. Wir fordern daher Schnellkurse für die Aus- und Weiterbildung potentieller Sprachlehrer. Besonders schnell könnten interessierte Bürger für Alphabetisierungskurse ausgebildet werden – eine Aufgabe, für die sich beispielsweise Studenten oder auch Rentner hervorragend eignen.

Wir fordern zudem, jugendliche Flüchtlinge, die das 18. Lebensjahr überschritten, aber noch keinen Schulabschluss haben, ganz regulär bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres in den  Berufsschulen aufzunehmen. Viele Jugendliche haben durch Krieg und Flucht in ihren Heimatländern ihre Schulausbildung abbrechen müssen. Hier sind wir gefordert, großzügiger und unbürokratischer als bisher dafür zu sorgen, dass sie diese Zeit nachholen und sich qualifizieren können. Auf diese Weise profitieren nicht nur die jungen Flüchtlinge, sondern auch unsere Gesellschaft, indem die Auswirkungen des demografischen Wandels abgemildert und unsere Sozialkassen entlastet werden können. Jeder, der sich qualifiziert und anschließend arbeitet, trägt dazu bei.

Auch müssen Betriebe unterstützende Angebote erhalten, wenn sie bereit sind, Flüchtlinge trotz unzureichender Sprachkenntnisse ein Praktikum, einen Ausbildungsplatz oder eine Stelle anzubieten. Jede Nachsteuerung beim Spracherwerb, auf welche Weise sie auch immer stattfindet, muss unbürokratisch gefördert werden.

Eine Sprachinitiative, wie wir sie uns vorstellen, muss einen durchdachten und allumfassenden Bogen spannen, der sofort beginnt und bis in den Arbeitsmarkt hinein reicht. Denn das, was wir heute in die Vermittlung von Sprachkompetenz investieren, wird sich nicht nur finanziell schnell und langfristig amortisieren, sondern auch der Schlüssel dafür sein, dass ein friedliches Zusammenleben aller gelingt.“

Download des Antrags der FDP-Fraktion betreffend Sprachinitiative für Flüchtlinge als PDF-Datei.