Kita-Tour in Steinbach im Taunus

Arbeit & SozialesBildung & SchuleFamilie & Kinder27. September 2018

Pluralität des Kita-Angebots muss erhalten werden

  • René Rock, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, besucht zusammen mit Bürgermeister Dr. Stefan Naas die katholische Kindertagesstätte St. Bonifatius in Steinbach
  • Kita im Aufbruch beweist Flexibilität bei wachsender Nachfrage
  • Politik muss soliden Rahmen für Bildungsauftrag und Gestaltung vor Ort schaffen

STEINBACH IM TAUNUS – René Rock, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, hat am 21. September 2018 zusammen mit Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) die katholische Kindertagesstätte St. Bonifatius in Steinbach im Taunus  besucht.  Gemeinsam mit Kita-Leiterin Barbara Albrecht und dem Trägerbeauftragten der Pfarrei St. Ursula, Reinhold Kuhn, diskutierten Rock und Naas die Anforderungen qualitativ hochwertiger Betreuung bei wachsender Nachfrage und bevorstehendem Neubau der zum Bistum Limburg gehörenden Einrichtung.

„Sie sind in der Tat eine Kita im Aufbruch“, sagte Rock angesichts des bevorstehenden Umzugs der Kita in Container, während daneben ein kompletter Neubau entstehen wird. „Ihre gelassene Konzentration und Flexibilität bei diesem Umzugs- und Erneuerungsprojekt ebenso wie bei den personellen und inhaltlichen Herausforderungen ist bemerkenswert!“

Die Kita-Vertreter von St. Bonifatius beklagten angesichts der am Standort schwierigen Aufgaben zur Betreuung von Kindern und Familien unterschiedlichster Nationalitäten, Kulturen und Konfessionen insbesondere den gravierenden Mangel an geeigneten Fachkräften. Sie fordern deutlich stärkere Anstrengungen zur allgemeinen Förderung und Flexibilisierung der Ausbildung von Fachkräften sowie eine höhere gesellschaftliche Anerkennung des Erzieherberufs, die sich auch im Gehaltsniveau niederschlagen müsse. Nur so könnten Menschen für den Beruf begeistert und langfristig gebunden werden. Auch die ergänzende Einbindung von Menschen in den pädagogischen Dienst, deren Kompetenzen in der Praxis im Bemühen um eine hohe Angebotsqualität im Einzelfall hilfreich seien, auch wenn sie den gesetzlich verankerten Fachkraftkriterien nicht entsprächen, könne helfen, das Fehlen einer Fachkraft zu kompensieren, so die Kita-Leiterin.

„Die katholische Kita St. Bonifatius ist mit ihrem Engagement ein Beweis dafür, wie wichtig es ist, in Hessens Kommunen die Pluralität des Angebots an frühkindlicher Bildung, also die Vielfalt an Krippen und Kitas zu fördern“, zeigte sich Rock beeindruckt. „Wir brauchen ein neues Bewusstsein für die Bedeutung von Kitas als Knotenpunkt in unserer Gesellschaft, nur so können wir die Herausforderungen wie Fachkräftemangel, fehlende Kitaplätze und individuelle Förderung unserer Kinder in allen Bereichen meistern“, ergänzte Rock. „Hessen muss endlich den Dauerzustand Mangel verlassen.  Die schwarz-grüne hessische Landesregierung gibt stattdessen noch einmal 310 Mio. € für die Gebührenfreiheit von Kitas aus. Nur 3 % aller Kitas in Hessen entsprechen aber internationalen Standards, es fehlen 7.000 Erzieherinnen und Erzieher, 10.000 Kitaplätze und 20.000 Krippenplätze“, unterstrich Rock. „Dafür schickt die Regierung jetzt 700 Sozialarbeiter in Grundschulen, das ist ein Offenbarungseid.“

„Die FDP will keine Sozialmaßnahmen, sondern ein neues Verständnis frühkindlicher Bildung, damit es in den Schulen und später im Leben gar nicht erst zu Schwierigkeiten kommt“, erläuterte Rock. „Wir haben daher Maßnahmen erarbeitet und als Gesetzesvorlagen in den Landtag eingebracht, mit denen wir den Mangel an Erziehern und Plätzen schrittweise beheben und auf eine neue Qualitätsebene kommen wollen.

1.      Wir wollen auf Landes-, Kreis- und Kommunenebene Elternbeiräte für Kitas einführen, damit Eltern ihre Anliegen und Interessen besser zur Sprache bringen können

2.      Wir wollen das Wahlrecht der Eltern beim Betreuungsort ihrer Kinder dadurch stärken, dass das Land pauschal die Kosten dafür übernimmt, wenn ein Kind in einer anderen Kommune als am Wohnort, z.B. am Arbeitsort der Eltern, in eine Kita geht.

3.      Wir wollen intensiv in die Qualität investieren, von der Freistellung der Leitung, mehr Vorbereitungszeit, einem verbesserten Gruppenschlüssel bis zu einer höheren Qualitätspauschale, die den Kitas selbst überlässt, was sie in der Sachausstattung benötigen und anschaffen wollen.

4.      Wir überlegen, wie bei einem dualen Studium Praxis und Theorie von Anfang an zu verbinden, und damit schon während der Ausbildung den Erzieherberuf auch finanziell attraktiver zu machen.  Die praxisintegrierte Ausbildung ist der richtige Weg, um neue Potenziale für den Erzieherberuf zu erschließen

5.      Wir planen die Wiedereinführung der qualifizierten Schulvorbereitung, damit der Übergang von Kita zur Schule gelingt und die Fachkräfte in Kita und Schule voneinander lernen können.“

„Ich erlebe bei meinen Kita-Besuchen großen Einsatz, Kreativität und Hingabe bei den Fachkräften und den Eltern. Es ist die Aufgabe des Landes Hessen, sie bei Personal, der Platzsituation und einer hochwertigen, beziehungsvollen Betreuung und Förderung so zu unterstützen, dass unsere Kinder in einer komplexen Welt gute Zukunftschancen für ein glückliches Leben erhalten“, schloss Rock.