Wir brauchen eine Grundsicherung der Bildungschancen

Familie & Kinder20. Dezember 2017

Kita-Tour in Heusenstamm

  • René Rock, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, besucht Kinderhaus Wiesenborn in Heusenstamm
  • Investitionen in Fachkräfte, Kita-Plätze, Räumlichkeiten und Angebot vor Kostenfreiheit
  • Frühkindliche Bildung basiert auf Beziehung

HEUSENSTAMM  – René Rock, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, hat am 19. Dezember 2017 zusammen mit Uwe Klein, FDP Orts- und Fraktionsvorsitzender in Heusenstamm und dem stellv. Ortsvorsitzenden der FDP in Heusenstamm, Dr. Rudolf Benninger, das Kinderhaus Wiesenborn in Heusenstamm besucht. Im Gespräch mit Kerstin Stanek, Fachdienstleiterin Jugend, Soziales und Senioren, den beiden Kita-Leiterinnen Gerit Witzel und Romina Heil sowie Vertreter/innen der Elternbeiräte, Fachpädagogen und Schulbetreuung informierten sich Rock, Klein und Benninger über die Anforderungen der Kindertagesstätte.

Kitaleitung, Fachdienstleitung, Experten und Elternvertreter definierten fehlendes Fachpersonal, den Betreuungsschlüssel, mangelnde Räumlichkeiten und fehlende Kita-Plätze als Kernaufgaben der Politik, um Gegenwart und Zukunft der frühkindlichen Bildung zu gewährleisten. Ganztagsangebote in Kitas und Schule müssten beziehungsvolle Betreuung leisten und nicht bloße Verwahranstalten sein.

„Genau deshalb sind wir heute hier bei Ihnen“, sagte Rock. „Die FDP-Fraktion im Hessischen Landtag will wissen, wie wir die Kitas vor Ort unterstützen können.  Die Politik wird kein einheitliches Konzept für alle Kitas in Hessen entwickeln können. Dafür sind die Umstände und Bedarfe zu groß. Aber sie muss einen Rahmen schaffen, in der frühkindliche Bildung und beziehungsvolle Betreuung von Ihnen gestaltet und entwickelt werden kann. Wir brauchen dringend eine Grundsicherung der Bildungschancen in unserem Land, das ist das Mindeste, was Politik leisten muss. Und das können wir nur, wenn wir in diesen Bereich investieren.“

Rock bemängelte erneut die Initiative der Schwarz-Grünen Landesregierung, mit insgesamt 310 Mio. € pro Jahr Eltern von den Kosten einer Kita zu befreien. „Das ist eine rein sozialpolitische Maßnahme, um sich vor der Landtagswahl in die Herzen der Eltern einzukaufen“, kritisierte er. „Davon könnten wir 7.500 Erzieher/innen einstellen, Gruppen verkleinern, Plätze ausbauen oder inhaltliche Arbeit investieren. Die FDP fordert eine völlig andere Bildungspolitik für Hessen.“

„Die Freien Demokraten haben einen 5-Punkte-Plan für die frühkindliche Bildung entwickelt, die wir jetzt schon mit 5 Gesetzesinitiativen Schritt für Schritt in den Landtag einbringen werden“, erläuterte Rock:

  1. „ Den ersten haben wir bereits eingebracht: Wir werden die Eltern und die Partnerschaft zwischen Eltern und Kitas stärken. Wenn es so etwas wie einen Landeselternbeirat für Kitas gibt und Eltern für die Bedeutung frühkindlicher Bildung sensibilisiert sind, dann haben Eltern viel mehr Gewicht in der politischen Debatte.  Es entsteht dadurch auch Druck auf die Kommunen, Qualitäts- und Migrationspauschalen verbindlich den Kitas zukommen zu lassen. Denn erst wenn etwas sichtbar wird, gibt es von der Politik auch eine Reaktion
  2. Wir wollen die Eltern und Kommunen dabei unterstützen, die Kinder in der Nähe des Arbeitsortes der Eltern unterzubringen. Das Land zahlt dann eine Pauschale an jene Kommunen, die Kinder aus anderen Kommunen aufnehmen. Diese ‚Freizügigkeit‘ ist besonders auch für Alleinerziehende wichtig.“
  3. Wir wollen einen Prozess anschieben, der die Freistellung der Kita-Leitung und die Vorbereitungszeit von Erzieherinnen und Erziehern erleichtert und ausbaut.
  4. Der Übergang von der Kita zur Schule soll durch eine Weiterführung der „Qualifizierten Schulvorbereitung“ (QSV) erleichtert werden.
  5. Verbindliche Regeln für die Inklusion. Alle Kinder müssen nach ihrem jeweiligen Bedarf gefördert werden. Mit einer Qualitätspauschale können die Kitas und Kommunen selbst festlegen, welche Schwerpunkte sie setzen möchten.“

Rock zeigte sich beeindruckt vom behutsamen Umgang des Kinderhauses mit den Bedürfnissen der Kinder. „Kinder brauchen viel Zeit, persönliche Beziehung und individuelle Zuwendung, damit sie stark für ein selbstbestimmtes Leben werden“, stimmte Rock zu. „Wir müssen mehr Ressourcen in die Betreuung zwischen 0 und 10 Jahren investieren, Kommunen müssen sich als Bildungsort begreifen, Bildungsausschüsse einrichten und gemeinsam mit dem Land und den Eltern für Kitas, den Übergang zwischen Schule und Kita und für die Betreuung an Schulen neue, gute Konzepte entwickeln. Die Politik muss Anreize dafür schaffen, dass alle mitwirken.“